2012-07 Leitartikel

Jo Soppa - Chefredakteur MO

Jo Soppa

Biker willkommen

Biker galten im Alpenraum als Landplage. Heute wird der rote Teppich ausgerollt

Spätestens seit Pfingsten ist er wieder aktiv: der Alpen-Magnetismus. Postkarten-Landschaften mit glücklich-glockigem Milchvieh in saftig grünen Hängen, blendend weiße Kirchtürme und sonnen­gegerbte Naturholzschuppen. Alles so unwirklich und erhebend wie die bergan schnürenden Kurvenkapriolen. Faszinierendes Traumrevier, seit es Motoren und zwei Räder gibt. Hahntennjoch, Tannheimer Tal und Großglockner-Alpenstraße sind seit jeher Anziehungspunkte nicht nur für Motorrad-Touristen. Inzwischen rollt man den „Bikern“ entlang der beliebten Routen überall die roten Teppiche aus. Hotels werben mit besonders Motorrad-freundlichem Service, Gastwirte freuen sich auf Kundschaft in Leder. Die Gründe liegen auf der Hand. Motorradfahrer machen eher mal ein Päuschen und suchen ein Dach über dem Kopf als die Auto-Touristen. Die brettern dank 1000-Kilometer-Reichweite die Nacht durch und haben ihren Proviant an Bord.
Noch vor 20 Jahren war das ganz anders. Damals galten Motorradler nur als Rowdies und Krawallmacher, die den Alpenraum als Rennstrecke für ihre Supersport-Motorräder missbrauchten. Heute tourt das Gros der Zunft auf Deutschlands Nummer 1-Vernunfts-Motorrad durch die Bergwelt. In der Hochsaison scheint der ganze Alpenraum ein einziges BMW GS-Treffen zu sein. Entsprechend kommod wird gefahren, auch wenn ab und an einer der Boxer-Matadore der restlichen Welt zeigen muss, wer am Berg das unschlagbare Material hat.
Ganz gleich, welches Fabrikat den Vortrieb erledigt: Wer in die Bergwelt eintaucht, hat ein anders Motorrad, als bislang gekannt, unter dem Hintern. Das liegt an einem ganz banalen Umstand: Marschgepäck macht träge. Das zeigt sich besonders in den engen, dicht auf dicht gepackten Kurvenabfolgen einer Passstraße. Reifen­luftdruck und Vorspannung der Federung müssen also bestmöglich auf den Schwerlastbetrieb einjustiert werden, sonst endet die Tour in nervigem Herumeiern. Wie Sie an der richtigen Stelle Hand am Fahrwerk anlegen, steht in Ihrem Fahrerhandbuch.
Lonesome Riders sind heute die Ausnahme. Viele möchten ihr Alpen-Abenteuer in der Gruppe erleben. Dabei ist immer wieder der gleiche Fehler zu beobachten: Der Vorausfahrende überholt auf einem kurzen Stück zwischen zwei Kurven ein Auto. Für den zweiten Fahrer reicht es noch eben so im Sichtbereich vor der Biegung, der dritte startet seinen Überholvorgang bereits mit Gottvertrauen, und der vierte spielt beim Einfahren in den nicht mehr einsehbaren Streckenverlauf Russisch Roulette. Dieser offenbar im Unterbewusstsein ablaufende Überholreflex des „Dranbleibens am Vordermann“ führt nicht selten zu haarsträubenden Situationen. Wer den heilsamen Schock unbeschadet überstanden hat, ist für den Rest der Tour geheilt, allen anderen sage ich es jetzt an dieser Stelle nochmals: Fahre auf Sicht.
Wer in die Bergwelt aufbricht, braucht ein Motorrad mit tadelloser Bremsanlage. Neuwertige Bremsbeläge sind Pflicht, ein Service der Bremsflüssigkeit, sofern sie älter als ein Jahr ist, dringend angezeigt. Auf den Abfahrten wird die Bremsanlage, zumal mit voller Gepäckauslastung, maximal beansprucht. Kommt es dann durch die starke Hitzeentwicklung zur gefürchteten Dampfblasenbildung im System, bricht die Wirkung der Anlage schlagartig zusammen. Dann hilft auch kein ABS mehr.
Einen kleinen Bremsentipp haben wir in dieser Ausgabe auch noch auf Seite 90 für Sie eingebaut. Wie immer ist bei allen Arbeiten an der Bremsanlage höchste Sorgfalt und Sachkenntnis gefragt. Wer nicht mit solchen Arbeiten vertraut ist, überlässt den Job besser dem Fachmann. Und wie immer gilt bei allen Arbeiten am Motorrad: Vor dem Losfahren die einwandfreie Funktion kontrollieren.

 

Erhebende Momente auf Ihrer nächsten Alpentour wünscht

 

Jo Soppa, Chefredakteur

 

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