2012-06 Leitartikel

Jo Soppa - Chefredakteur MO

Jo Soppa

Italienische Momente

Audi kaufte den Ducati-Diamanten. Jedoch, die Goldader liegt am Comer See

Wenn die Tagespresse das Thema „Motorrad“ aufgreift, dann ist in aller Regel wieder einmal ein älterer Herr von einem linksabbiegenden Karossenlenker um Vorfahrt und Leben gebracht worden. Die Überschrift lautet dann meistens: „Zu Tode gerast“ – oder etwas in vergleichbarem Tenor. Im Text erfährt man dann, dass der Zweiradler 74 Jahre alt und sein „Feuerstuhl“ ein Motorroller war. Tageszeitungs-Klischee, wie wir dich lieben.

In letzter Zeit wurde auch vermehrt über einen älteren Herren im Zusammenhang mit Motorrädern berichtet. Dies geschah äußerst differenziert, wohlwollend und vor allem respektvoll. Denn der an-gesprochene Herr wirkt an maßgeblicher Stelle in einem bedeutenden deutschen Automobilkonzern. Und bedeutende deutsche Automobilkonzerne sind für die Tagespresse sehr wichtige Anzeigenkunden. Da heißt es für die „Meinungsmacher“: aufpassen.

Der ältere Herr ist Ferdinand Piëch, und auf sein Betreiben hin wurde kürzlich Ducati in die sportlich-noble Markenwelt von Audi integriert. Dort ist die italienische Kultmarke in Motorraddingen nicht gänzlich alleine. Bekanntlich zählt seit 2008 auch Suzuki mit zwanzigprozentigem Anteil zum VW-Konzern. Passiert ist mit Suzuki-Motorrad in den vergangenen Jahren vergleichsweise wenig. Und so mag man sich die berechtigte Frage stellen: Was will VW mit Ducati?

Manche Beobachter meinen tatsächlich, die Übernahme sei einzig der Motorrad-Marotte des maßgeblichen Konzernlenkers Ferdinand Piëch anlässlich seines 75. Geburtstags zuzuschreiben. Selbst Ducati-Fahrer, hatte Piëch immer wieder das Interesse an der Marke durchblicken lassen. Zuletzt aber flammte zwischen den Italienern eine Liasson mit einer ganz anderen Automarke auf. Mercedes-Silbergrau und deren sportlicher Ableger AMG kuschelten ausgerechnet mit den Roten aus Bologna zusammen. Da zählten manche Beobachter schon aufgeregt eins und eins zusammen. Doch für diese „freakige“ Entscheidungen ist derzeit im Daimler-Konzern kein Platz. Schon eher bei VW und dort besonders bei der international höchst erfolgreichen Konzernmarke Audi. Und Italien-Connections haben dort auch Tradition. Der Audi-Markenauftritt wird seit Jahren vom Ex-Alfa Romeo-Designer Walter de Silva verantwortet.

Und Audi steht seit jeher in einer Art besonderem sportlichen Wettstreit mit der unweit von Ingolstadt ansässigen Marke BMW. Gut möglich also, dass Ferdinand Piëch mit Ducati seinen Münchnern Kollegen ein wenig in deren erfolgreiches Motorradgeschäft spucken möchte. Wenn dem so sein sollte, dann hätte ich für den Audi-Mann noch einen Tipp: Moto Guzzi ist die Italo-Marke, mit der man BMW im angestammten und wirtschaftlich höchst wichtigen Touring-Segment viel mehr ärgern könnte als mit der technisch zwar anspruchsvollen, aber auch sehr viel extremeren und damit selektiven Marke Ducati. So faszinierend eine Panigale auch sein mag, so klein ist die tatsächliche Käufergruppe.

Im großen Italien-Spezial in dieser MO-Ausgabe finden Sie eine Moto Guzzi Stelvio aus der Dynotec-Tuning-Schmiede. Dieses Motorrad fährt derart begeisternd, dass redaktions­-intern schnell das geflügelte Wort der „besseren BMW GS“ die Runde machte. Was das oberitalienische Werk aus kaum nachvollziehbaren Gründen seit Jahren nicht auf die Reihe bekommt, das schafft offenbar ein auf den charakterstarken V-Motor eingeschossener Tuner mit links. Und was könnte erst eine Firma wie Audi aus diesem Potenzial machen?

 

Inspirierende Unterhaltung mit dieser italolastigen MO-Ausgabe wünscht

 

Jo Soppa, Chefredakteur

 

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