2013-01 Leitartikel

Jo Soppa - Chefredakteur MO

Jo Soppa

Motorrad des Jahres
Die faszinierende Ducati konnte viele MO-Redakteure nicht für sich einnehmen

Immer dann, wenn sich das Jahr dem Ende zuneigt, geht es ans Zusammenzählen. Dann wird nicht nur Kasse gemacht, sondern auch das Motorrad des Jahres gewählt. Unter Federführung der spanischen Zeitschrift „Solo Moto" hat sich ein internationaler Zusammenschluss aus Motorrad-Medien gefunden, der in gemeinsamer Abstimmung ein Motorrad ganz nach oben aufs Schild hebt. Voraussetzung für die Wahl ist lediglich, dass es sich um ein aktuell kaufbares Produkt handeln muss. Somit sind die letzten Messeneuheiten, die zwar restlos begeistern, aber eben noch nicht im Testbetrieb erprobt wurden, von der Aktion ausgeschlossen. Wenig überraschend fiel die Wahl in diesem Jahr auf die Ducati Panigale. Besonders die Kollegen in den südlichen Ländern sind Feuer und Flamme für den aufregendsten Sporttwin, den es derzeit zu kaufen gibt.
Bei der internen MO-Wahl konnte sich die Panigale dagegen nicht wie erwartet durchsetzen. Denn ganz basisdemokratisch darf jedes Redaktionsmitglied seine drei Jahres-Favoriten bestimmen, woraus dann die Redaktions-Gesamtwahl im klassischen Punkte-Auswahlsystem festgelegt wird. Und so kristallisierte sich recht schnell und überdeutlich heraus, dass im Hause MO ein Motorrad im Jahr 2012 einen ganz besonderen Eindruck hinterlassen hat: die Husqvarna 900 Nuda. Für uns ist sie so etwas wie die aktuelle, moderne Essenz eines klassischen Straßen-Motorrads. Sie ist potent, beweglich, verfügt über einen ungemein inspirierenden Motor – und sie ist vor allem in bezahlbaren Regionen angesiedelt. Eine Panigale ist da, was das Technikpaket angeht, fraglos noch faszinierender. Aber wer die Ducati nicht nur auf der Rennstrecke erleben durfte, sondern sie mit den Anforderung an ein Straßenmotorrad konfrontierte, der mag zu der Feststellung gelangt sein, dass die adrette Verpackung zwar ein hinreichender Kaufgrund sein kann, der Lustgewinn beim Fahren aber letztlich mehr wiegt. Und in diesem Punkt wird bei der wunderbar faszinierenden Ducati alles unter 100 km/h schnell zur unerträglichen Last. Sie ist eben als Rennstreckentier geboren, und nur dort fühlt sich das Motorrad auch richtig wohl. Und mit ihm sein glücklicher Besitzer, vorausgesetzt, er kann dem Motorrad eine entsprechende fahrerische Potenz entgegen halten.
Weil für uns die schöne Leichtigkeit des Motorradseins aber mindestens ebenso wichtig ist, landete auf Platz zwei zwar ein italienisches Motorrad, aber – wie im Falle der gleichfalls in Italien produzierten Husqvarna – eines ohne Lenkerstummel. Die „kleine" MV Agusta Brutale 675 begeisterte die MO-Redaktion mit feschem Design, hochwertiger Machart, tollem Fahrspaß und einmal mehr mit einem Kaufpreis, der noch mit beiden Beinen im realen Leben verankert ist.
Dass uns auch teure Motorräder mit Lenkerstummel überzeugen können, beweist unser Platz 3. Ganz lokalpatriotisch hat sich die MO-Redaktion zu einem Daumen-hoch in Richtung der für bayerische Verhältnisse nach gerade unverschämt prickelnden BMW HP4 entschieden. Ähnlich wie bei der Ducati gehen auch hier die Ansichten zum Thema Erscheinungsbild von „Knorpelfisch" bis „Traum" weit auseinander, aber wer die BMW fahren konnte, kam nicht umhin, dem derzeit leistungsstärksten Serien-Superbike trotz aller Radikalitäten auch noch in Sachen Alltagstauglichkeit Bestnoten zu attestieren. Von den schön gemachten Details der edlen HP-Version einmal ganz zu schweigen.
Soweit unsere Sicht der Dinge. Wie unsere internationalen Kollegen ihre Traummotorräder des Jahres beurteilen, erfahren Sie auf den folgenden Seiten. Zudem lassen wir die Gelegenheit nicht aus, Ihnen zu sagen, wie Sie und Ihr Motorrad bestmöglich über den Winter kommen. Und wenn Sie wissen möchten, was sich bei Moto Guzzi tut, dann sind Sie bei MO traditionell ohnehin an der richtigen Adresse.

Frohe Festtage wünscht

Jo Soppa (Chefredakteur)
 

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2012-12 Leitartikel

Jo Soppa - Chefredakteur MO

Jo Soppa

Vorteilsnehmer
Für den Schnäppchenkauf fahren manche Schlauberger hunderte Kilometer weit

Es mag bei genauem Hinsehen fies und unmoralisch aussehen, aber auf der persönlichen Vorteilnahme basiert unser Gesellschaftssystem. Stellen Sie sich etwa ein Fußballspiel vor. Der Verteidiger verstolpert den Ball und legt die Pille in seiner Torheit dem Angreifer passgenau vor die Füße. Der bräuchte nur noch einzuschieben, tut es aber nicht. Er entscheidet sich ganz anders. Aber was würden die versammelten Experten sagen und vor allem zetern, würde der Stürmer-Star den Ball dem verdutzten Verteidiger zurückspielen, weil ihm ein derart billig geschenktes Tor viel zu unsportlich wäre?
Das öffentliche Leben ist voller Vorteilnehmer. Da hätten wir aktuell einen Kanzler-Kandidaten, der sein vom Bürger auferlegtes Staatsdiener-Amt samt gewonnener Popularität dazu nutzt, um seine private Schatulle kräftig aufzufüllen. Das steht mir zu, sagen auch all jene, die an die Fleischtöpfe der vermeintlich wohlhabenden Gesellschaften drängen, weil sie im Buschfunk hörten, dass es dort „money for nothing" oder sogar satte Prämien fürs bloße Kinderkriegen gäbe.
Für die in Wohlstand Aufgewachsenen sehen die Vorteilnahmen schon viel differenzierter aus. Da kuschelt sich die leibhaftige Brigitte-Familie ins voll gepanzerte 400-PS-SUV, weil damit das Überleben der Sippschaft in der Rush-Hour aussichtsreicher ist als im klapprigen Kleinwagen.
Wie bescheiden nehmen sich dagegen die Vorteilsmöglichkeiten des Motorradmenschen aus. Seit ein paar Jahren klammert er sich ans ABS wie an den letzten rettenden Strohhalm der Menschheit. In dicker „Dynamik-Motorisierung" plus Antischlupf-Regelung, dazu heizbare Griffe und dynamisch-automatisch einreguliertem Fahrwerk sieht er weitere Möglichkeiten zur Vorteilnahme im Straßenverkehr. Wie früher im Krieg. Die bessere Waffe soll über Sieg und Niederlage die Entscheidung bringen.
Vorteile sucht der ausgebuffte Endkunde auch lange, bevor es mit dem Motorradfahren los geht. Da wird der lokale Händler mit Fragen nach Stärken und Schwächen des angepeilten Wunschmodells nur so gelöchert und somit seiner kostbaren Arbeitszeit beraubt, nur um nachher mit gefestigter Kaufabsicht im Internet nach dem günstigsten Angebot Ausschau zu halten. Steht dann der erste Garantiefall an, scheut der Schlauberger selbstverständlich den weiten Weg zum Schnäppchenhändler, bei dem er sein Rad gekauft hat. Die Probleme soll jetzt selbstredend der lokale Händler aus dem Weg räumen, schließlich ist der gute Mann Vertragshändler der Marke.
In unserem Nachbarland Italien herrscht in dieser Beziehung übrigens noch eine ganz andere Kultur. Dort ist es nach wie vor üblich, soweit möglich alles direkt am Ort einzukaufen. Ein Heer von Klein- und Kleinst-Händlern zieht sich wie ein dicht gewebter Teppich übers Land. Der Hinterhof-Fachmann ist dort noch respektiertes Bindeglied im Gesamtsystem und nicht aus der Zeit gefallenes Überbleibsel im modernen Mahlstrom der auf Effizienz und Stückzahl bedachten Marketing-Wunderwelt.
Mit Vorteilnehmern haben auch wir es als Macher einer Zeitschrift zu tun. Da werden wohlfeile Testerworte und schön gefärbte Prädikatsurteile erwartet, die sich geschickt in kostenlose Werbung für das Produkt ummünzen lassen. Und der Kunde will dann wiederum die Prädikatsware zum einmaligen Rabattkurs.
Sie sehen, irgendwann beißt sich die Katze immer in den Schwanz. Deshalb plädiere ich an dieser Stelle einmal für unseren – theoretischen – Stürmerstar. Spielen Sie den Ball zurück. Seien Sie sportlich. Es bringt keinen Vorteil, aber ein gutes Gefühl. Und das wiegt mehr als alle Kletterkünste zwischen persönlichem Rüstungswahn und geldwerter Ausgebufftheit.
Zurecht werden Sie jetzt fragen, welche Vorteile dieser komische Chefredakteur einer Motorradzeitschrift denn so übers Jahr einstreicht. Kann ich Ihnen sagen: Er braucht nicht unbedingt ein eigenes Motorrad zu kaufen. Er kann seine Fahrten von der Steuer absetzen, und er bekommt – sofern er das möchte – beim Kauf einer Ware Presserabatt. Aber ich darf Ihnen versichern, dass ich all das seit jeher sehr sportlich angehe.

Viel Vergnügen mit Deutschlands offen und herzlicher Zeitschrift für bestmögliche Motorradkultur wünscht

Jo Soppa (Chefredakteur)
 

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2012-10 Leitartikel

Jo Soppa - Chefredakteur MO

Jo Soppa

Macher, Typen und Wahnsinnige

Eine gute Portion Wahnsinn gehört seit jeher zum Motorradgeschäft

Schon der große Philosoph und Schwimmmeister Schlotterbeck brachte es auf den Punkt: Hüte dich vor den Weltverbesserern und Pfennigfuchsern. Die einen haben aus Neandertalers Holzkeule die Atombombe gemacht, die anderen verkaufen dir einen Stein, wenn du einen Hammer verlangst. Dafür ist der Stein bunt angemalt.
Was zwischen diesen weit verbreiteten Modellcharakteren anzutreffen ist, darf ungestraft leibhaftig gelebter Wahnsinn genannt werden. Und man darf vom Glück reden, dass neben den beiden erstgenannten Gruppen vor allem die angenehm Wahnsinnigen seit jeher die Motorradbranche bevölkern. Leute, die nicht zuerst nach Zweck, Nutzen und Profit fragen, sondern die einfach ihr Ding machen. Auch wenn alle Vernunftbegabten verständnis-los den Kopf schütteln. Ohne solche Menschen gäbe es keine neue Horex, keine Ducati, keine Harley-Davidson, keine Honda und auch keine BMW. Denn was angesichts der eindrucksvollen Erfolge bayerischen Motorradbaus in den letzten Jahren gerne übersehen wird, ist die Tatsache, dass in den oberen Etagen der Konzernleitung vor noch gar nicht so langer Zeit über die Schließung der Motorradsparte nachgedacht wurde. Sie wissen ja, die Pfennigfuchser. Dass der Wahnsinnsfaktor analog zur Größe der Firma zurückgedrängt und domestiziert wird, sieht man derzeit nicht zuletzt bei den japanischen Motorrad-Fabrikanten. Wenn die wirtschaftlichen Zeiten härter werden, haben Weltverbesserer und Pfennigfuchser nur noch wenig mitzuteilen. Es hilft dann nicht weiter, Abgelutschtes wechselseitig noch weiter zu kopieren und Herstellungskosten unter dem Deckmantel elektronischer Gimmick-Neuheiten geflissentlich zu drücken.
Das Thema Motorrad lebt zumindest in Europa stark von der Magie der Dinge. Und Magie, das schaffen nur Wahnsinnige. Auch wenn mancher Wahnsinnige gar nicht weiß, dass er zu diesem auserwählten Kreis gehört. Und man muss solche Leute auch machen lassen. Man denke etwa an die Allianz von Cagiva-Boss Claudio Castiglioni und Motorrad-Maniak Massimo Tamburini. Die Ergebnisse hießen Ducati 916 und MV Agusta F4. In diesem Zusammenhang sollte das Wort „Design“ nur mit größter Vorsicht als rettende Wunderdroge gepriesen werden. Die Realität sieht nämlich ganz anders aus. Denn zur Pestgeißel der Neuzeit gehören zweifellos auch manche Designer mit ausgeprägt künstlerischem Sendungsbewusstsein.
Rückendeckung bekommen solche Verpackungsexperten dann aus der dominierenden Marketing-Abteilung, weil die Techniker in den meisten Fällen nur noch ein Mitspracherecht haben, wenn es um die billigere Detaillösung geht. Design-Weltverbesserer und Pfennigfuchser zusammen sind der Fluch der modernen Industriegesellschaft. Ganz schlechte Motorradbauer sind sie sowieso.
In dieser MO-Ausgabe machen wir’s eine Nummer kleiner. Wir stellen im großen Spezialteil ab Seite 14 Typen, Macher, Handwerk und Maschinen vor, die unsere Motorradseelen bewegen. Wenig erstaunlich, dass sich dabei vieles in Italien abspielt. Das südliche Nachbarland ist seit Jahrzehnten so etwas wie das Motorradherz Europas. Dabei sind es besonders die kleinen und kleinsten Firmen, die mit Enthusiasmus immer wieder Öl ins bisweilen müde flackernde Motorradfeuer gießen und somit auch wie eine Art Katalysator für die gesamte Szene wirken können. Begeisterung muss hin und wieder angefacht werden.
In Deutschland fällt das auch in unseren Zuständigkeitsbereich. Denn Freude am Motorrad hat nichts mit dem Zusammenzählen von Testsiegerpunkten zu tun, sondern einzig und allein mit den Erlebnissen, die im und im Angesicht des Motorradsattels eingesammelt werden können. MO-Leser wissen das, und deshalb sind sie schon mal die besseren Wahnsinnigen.

Willkommen im Club.
Ich wünsche Ihnen wahnsinnig viel Freude mit der aktuellen MO-Ausgabe
 

Jo Soppa, Chefredakteur

 

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2012-11 Leitartikel

Jo Soppa - Chefredakteur MO

Jo Soppa

Stimmungslage

Motorradmachen ist ganz einfach. Apple zeigt allen, wie´s geht

Auch nach der Intermot in Köln bestimmt weiterhin säuerlicher Zynismus bis verhaltener Optimismus die Branche. Oder wie es ein Nachrichtendienst in einer Meldung zur großen Leitmesse formulierte: Immer mehr alte Männer kaufen immer weniger teure Motorräder.
Attraktives Glanzlicht in Köln war zweifellos die Präsentation der neuen BMW R 1200 GS-Generation mit ihrem jetzt wassergekühlten Boxer. Dieses fast schon solitäre Ereignis verstärkt den Eindruck der fortwährenden Lethargie japanischer Motorrad-Hersteller. Auffallend still blieb es bei Suzuki und Yamaha. Neue Farben, kleinere technische Updates, ein möglicher Dreizylindermotor bei Yamaha, das war's auch schon. Eher pflichtschuldig auch der Auftritt des einstigen Branchen-Primus Honda. Eine ärmlich aussehende 125er für den Weltmarkt, ein leckerer Crosser für ein paar Spezialisten und eine nach Budget-Muster gestrickte 600er für alle Fälle. Zum Glück gab's da noch die CB 1100, ein hübscher Neoklassiker, den man aber nicht als Neuheit feiern kann, weil es das Motorrad bereits seit zwei Jahren in Japan gibt. Aber die Erfahrung lehrt, dass speziell Honda stets für die folgende Messe in Mailand noch scharfe Pfeile im Köcher aufbewahrt.
Die Grünen von Kawasaki bleiben ihrer eingeschlagenen Hauslinie treu. Das heißt, die neue Z 800 macht auf dickere Backen und eine „kleine" Ninja rundet das Supersport-Programm mit jetzt 636 ccm Hubraum in Richtung weltlicher Leistungsdaten freundlich ab. Und wenn wir schon bei den Farben sind: Knallorange aus Österreich macht jetzt auf Ducati und baut den Superbike-Motor in ein Enduro-Konzept. Pralle Leistung fürs gehobene Touring, das alte Spielchen auf dem Größer-schneller-weiter-Karussell.
Weiterhin streiten sich die Motorrad-Gelehrten über die Frage, wie man denn bitteschön mehr junges Publikum fürs Zweiradeln begeistern kann. Bekanntlich ist die Jugend nach neuesten Erhebungen generell motorisierungsmüde. Denn auch die Autobranche klagt über mangelndes Interesse von Seiten der Pickelgesichter. Denen genügt es inzwischen vollkommen, online statt mobil zu sein. Im Notfall fährt immer noch Taxi Mama.
Dabei liegt die Lösung aller Probleme anschaulich in den Händen unserer zukünftigen Renteneinzahler. Denn bekanntlich ist die ebenso „coolste" wie am höchsten dotierte Marke des Planeten der amerikanische Apple-Konzern. Und deren Erfolgsgeheimnis ist fast schon erschreckend schlicht: Baue Geräte, die sich intuitiv bedienen lassen und stecke sie in wertig-eigenständige Verpackungen, die man gerne anfassen möchte. Ziehe das Ganze konsequent innerhalb aller Produktfamilien durch, die jeden Geldbeutel ansprechen.
Im konkreten Fall ist es kein Geheimnis, dass sich Apple-Designer Jonathan Ive zwanglos bei einer Firma bedient, die bereits vor über 50 Jahren im Bereich der Elektrogeräte in Sachen Gestaltung endgültige Maßstäbe gesetzt hat. Die Rede ist von Braun und hier wiederum von deren Design-Direktor Dieter Rams.
Um vergleichbare endgültige Maßstäbe geht es auch im Motorradgeschäft. Kneift man mal seine Hirnwindungen zusammen und überlegt, welche Motorräder so etwas wie die stilbildenden, bleibenden Archetypen der Geschichte sind, dann wird das Schatzkästchen recht klein und übersichtlich. BMW RS 54: Erklärt den fortwährenden Erfolg der bayerischen Boxer, speziell der einzigartigen GS. Harley-Davidson Flat Tracker: Erklärt den immer jungen Coolnessfaktor der amerikanischen Kultmarke. Ducati Königswellen-Twin: Erklärt – zum Teil – den Zauber der Marke aus Bologna. Honda CB 750 K0: Erklärt, dass die Japaner viel falsch machen. Oder warum muss ein an sich genial konstruiertes Motorrad wie die NC 700 aussehen wie ein Prada-Damenhandtäschchen?
An dieser Stelle möchte ich mein persönliches Frustprogramm beenden und lade Sie nun alle herzlich zum Schreiben zorniger Leserbriefe und zum lustvollen Schmökern der neuesten MO-Ausgabe ein. Die endgültigen Maßstäbe gelten schließlich auch für das Machen einer Motorrad-Zeitschrift. Alle Erfinder der Weltformel wenden sich bitte direkt an mich.

Mit gestalterischem Gruß

Jo Soppa (Chefredakteur)
 

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2012-09 Leitartikel

Jo Soppa - Chefredakteur MO

Jo Soppa

Immer die Kleinen

Für die reale Welt. Nicht nur italienische Motorrad-Manufakturen sind für große Überraschungen gut

Ganz gleich, ob es um das Abführen von Steuergeldern oder die wichtigen Impulse für die Motorradszene geht: Auf die Kleinen ist Verlass. Oder wie es in Amerika so treffend heißt: Es sind die kleinen Leute, die die Welt am Rotieren halten. Aber was heißt schon klein, was groß? Letztlich ist das nur eine Frage der Perspektive – oder der Abgehobenheit.
Alles andere als abgehoben sind jedenfalls die Leute um Clemens Neese. MO-Lesern ist dieser Name in Verbindung mit den Wiederbelebungsversuchen rund um die Marke Horex wohl bekannt. Seit gut vier Jahren unternimmt Neese alles, um eine Motorradgeschichte auf eine Art und Weise fortzusetzen, die besonders hierzulande absoluten Seltenheitswert besitzt. Er will ein von vorne bis hinten, oben und unten vollständig neu entwickeltes Motorrad in Serie bauen. Bisweilen belächelt, bisweilen bewundert, ist ihm zumindest jetzt das Kunststück gelungen, die ersten fahrbereiten Fahrzeuge der Presse zum Test vor die Füße zu stellen. Wie es um das Projekt Horex genau steht, erfahren Sie in dieser Ausgabe ab Seite 16.
Im südlichen Nachbarland Italien sind derartige „Startups“, wie das auf Neudeutsch heißt, fast schon an der Tagesordnung. Um die Dauerhaltbarkeit dieser Neugründungen ist es nicht immer zum Besten bestellt. Aber es ist garantiert viel ansteckender Enthusiasmus mit im Spiel, der doch stets neue Geldgeber aktiviert, wenn so einem Projekt mal wieder die finanzielle Puste ausgeht.
Sehr erstaunlich ist da etwa die Entwicklung, die MV Agusta seit dem Ableben des Seniorchefs Claudio Castiglioni genommen hat. Inzwischen führt sein Sohn Giovanni die Geschäfte, und der scheint mit seinen ausnahmsweise einmal kühl kalkulierten Plänen so schlecht nicht zu liegen. Mit der neuen Dreizylinder-Generation will man jetzt mit günstigen Preisen, moderner Fertigungstechnik und rigider Qualitätskontrolle auf die Stückzahlen kommen, die der ruhmreiche Markenname verdient hat. Wie sich die aktuell günstigste MV Agusta, nämlich die 675er Brutale, im ureigenen Motorradrevier aufführt, sagen wir Ihnen in diesem Heft.
Und weil Italien immer eine Reise wert ist, bleiben wir gleich dort. Guido Kupper und Andreas Güldenfuß besuchten eine ganz kleine Firma, die sich dem Geist der ehedem großen, kleinen Marke Laverda verpflichtet sieht. Die Namensrechte von Laverda liegen in den Händen des Piaggio-Konzerns, und die scheinen mit ihren anderen Motorradmarken Aprilia und Moto Guzzi genügend Baustellen zu haben. Neue Laverdas sind derzeit also pures Wunschdenken. Also gaben die getreuen Laverda-Fans ihrem neuen Motorrad einfach den Namen des Ursprungsorts: nämlich Breganze. Dabei spielte ihnen der Zufall in die Hände. Sie konnten ein Ersatzteillager mit alten Komponenten der zuletzt produzierten Motorengeneration übernehmen. Dieser Rohstoff reicht für eine Kleinserie, die selbstverständlich ihren Preis hat. Wie das Motorrad für ausgesuchte Liebhaber aussieht und wie es sich fährt, offenbaren Ihnen unsere beiden Italien-Korrespondenten ab Seite 20.
Selbstverständlich zeigen wir den Branchenriesen in diesem Heft nicht die kalte Schulter, auch wenn diese, speziell jene der japanischen Provenienz, sich seit geraumer Zeit aus der öffentlichen Wahrnehmung auffallend zurückgezogen haben. Im großen Testteil haben wir uns diesmal die Honda VFR 1200 mit automatisiertem Doppelkupplungsgetriebe vorgenommen. Motorrad-High Tech, sozusagen, die in dieser Form derzeit einzigartig am Markt ist. Ob der ganze Aufwand dazu angetan ist, tatsächlich die Freude am Motorradfahren ein Stück weiter zu befördern, sagen wir frank und frei ab Seite 62.
Zurück zu den Wurzeln der Fahrfreude hieß es dagegen für Testchef Guido Kupper. Die ganze Saison über kniete er sich zusammen mit dem Testteam in den großen Reifentest. An der entscheidenden Schnittstelle zwischen Asphalt und Motorrad spürte er im Spannungsfeld zwischen Haftung, Kurvenfreudigkeit und Rückmeldung mit geschärften Sinnen die idealen Reifenpaarungen auf. Seine Endergebnisse erwarten Sie in dieser MO-Ausgabe.
Schließlich möchte ich Ihre Aufmerksamkeit noch auf eine ganz besondere Veranstaltung lenken. Am ersten September-Wochenende (31. August bis 2. September) findet auf der ehemaligen Solitude-Rennstrecke bei Stuttgart wieder das Glemseck 101-Treffen statt. Dabei geht es nicht nur um Klassiker und guten alten Cafe Racer-Spirit, sondern ganz zentral um die ewig junge Art des urwüchsigen Motorradfahrens. Seien Sie dabei, ganz egal, ob sie eine große oder kleine Motorradmarke bevorzugen. Die Freude am Krad wird in jedem Falle riesig sein.

Großartige Spätsommer-Erlebnisse wünscht

Jo Soppa
Chefredakteur
 

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