2014-4 Leitartikel

Leitartikel

Jo Soppa - Chefredakteur MO

Jo Soppa

Heiß begehrt

Motorräder scheinen sich auf der Beliebtheitsskala im Aufwind zu befinden. Das betrifft nicht nur die nach oben kletternden Neuverkäufe, sondern auch eher uncharmante Besitzerwechsel. Die Polizei meldet im jungen Jahr bereits einen deutlichen Anstieg an Motorraddiebstählen.
Dabei scheinen die Diebe mit be­sonderer Dreistigkeit ans Werk zu gehen. Selbst umfangreich ge­sicherte Motorräder in abgeschlossenen Garagen schrecken die Langfinger vor dem Zugriff nicht ab. Mitunter werden sogar vor den Garagen ab­gestellte Autos erst mühsam mit Hubtechnik beiseite gerollt, um an das Objekt der Begierde heranzukommen.
In der Regel sind das hochwer­tige, neuwertige Fahrzeuge. Oft wurden diese Motorräder in Internetplattformen zum Verkauf ausge­schrieben. Solche neuwertigen Fahrzeuge sind entsprechend teuer und damit für den typischen Gebrauchtkäufer un­attraktiv. Ergo werden derartige Fahrzeuge zumeist über einen längeren Zeitraum angeboten. Genug Zeit für die offenbar systematisch vorgehenden Diebe, die Lage zu sondieren und dann gezielt zuzuschlagen. Denn mit großer Sicherheit werden die ausgekundschafteten Motorräder nach einem Auftragsmuster geklaut. Und nicht immer dürfte das Kerninteresse dem kompletten Fahrzeug gelten. Oft sind es einzelne Komponenten, auf die es die Diebe abgesehen haben. Was bei den zum Teil astronomischen Ersatz­teilpreisen nicht weiter wundert.
Für die Geschädigten ist es nicht alleine der materielle Verlust, der schmerzt. Es folgt der zeitraubende Kleinkrieg mit Behörden und Ver­sicherung, aber besonders drückend dürfte in den meisten Fällen das Gefühl wiegen, dass dubiose Figuren viel zu weit in die eigene Privatsphäre vorgedrungen sind. Man fühlt sich verletzt und schutzlos. Wie weit gehen solche Gestalten beim nächsten Mal? Stehen sie irgendwann nächtens neben dem Nachtischchen und betäuben einen im besten Fall nur, um auch noch an Schlüssel und Papiere zu kommen?
Wieder einmal geht es um Informationen, die man von sich via Internet an die Öffentlichkeit gibt. Über ein paar eingesammelte Daten ist heute jeder porentief ins Private hinein ausspionierbar geworden. Die arglos veröffentlichte Verkaufsanzeige, der Anruf eines Interessenten, der nur ein paar übliche Fragen stellt, ein paar Suchbegriffe in den einschlägigen Portalen. Schon kann die Schlinge enger und schließlich ganz zugezogen werden.  
Wer sich gegen unliebsame Gäste schützen will, dem bleibt also nichts weiter übrig, als sein Verkaufsan­gebot aus der Privatsphäre auszu­lagern. Also das Motorrad entweder gleich als Inzahlungsnahme beim Händler lassen, oder das gute Stück über einen Treuhänder veräußern. Das kostet, aber der gesparte Ärger ist möglicherweise wertvoller.
Probleme beim Befriedigen der Besitzeslust kann es in diesem Frühjahr aber auch anderweitig geben. Besonders attraktive Neuerscheinungen, wie etwa die BMW S 1000 R und vor allem die bis in den Herbst hinein ausverkaufte R nineT, lassen den Handel frohlocken und Teile der Kundschaft Trübsal blasen. Auch die beiden MT-Neuheiten von Yamaha erfreuen sich großem Zuspruch, was in dem einen oder anderen Fall zu Wartezeiten führen mag.
Für alle aktuellen und zukünftigen Besitzer der genannten Motorräder haben wir in dieser Ausgabe zumindest den richtigen Lesestoff zusammengestellt. In der April-Ausgabe erwartet Sie diesmal kein müder April-Scherz, sondern alles Wissens­werte zum neuen Power-Naked-Bike aus dem Hause BMW und darüber hinaus prickelnde Aussichten auf Yamaha-Neuheiten, die sich auf Basis der beiden MT-Modelle verwirklich lassen könnten. Ein wenig Zukunftsmusik mit hohem Wahrscheinlichkeitsgehalt also.

Gute Unterhaltung mit dem Frühlings-MO und keine unliebsamen Überraschungen beim Öffnen der Garage wünscht

Jo Soppa,
Chefredakteur 


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2014-3 Leitartikel

Leitartikel

Jo Soppa - Chefredakteur MO

Jo Soppa

Der Preis macht’s

Wer leidenschaftlich gerne beim Discounter abhängt, kennt das Spiel: Wer nur des Preisetiketts wegen kauft, hockt hinterher auf jeder Menge Zeug, das er eigentlich gar nicht gebraucht hätte. Ergo sind billige Artikel oft viel zu teuer. Weil man sein Geld ausgegeben hat, ohne dafür ein wirklich zufriedenstellendes Produkt zu erhalten. Deshalb ist es auch stets müßig, über Begriffe wie „preiswert“ oder gar des Deutschen liebste Umschreibung, nämlich das viel zitierte „Preis-Leistungsverhältnis“, zu debattieren.
Als Bewertungsmaßstab dient mir in solchen Fällen stets eine simple Frage: Könnte ich das für ähnliches Geld oder günstiger selbst herstellen? Nimmt man, nur mal als Beispiel, ein richtig gut gekochtes Mittag­essen, dann wäre ich nicht in der Lage, solche Gaumenfreuden für 20 Euro anzubieten. Bedenkt man den ganzen Aufwand, die nötigen Gerätschaften und nicht zuletzt hoch-
wertige Lebensmittel als Ausgangsprodukt, dann stünde für ein Mahl nach Art Soppa ein ganz anderes Preisschild auf der Karte.
Bei technischem Gerät ist die Kiste noch krasser. Mir ist es nicht verständlich, wie in China eine Stich-­säge zu produzieren ist, die schließlich bei uns im Baumarkt für 19,90 Euro im Regal landet. Selbst wenn der chinesische Arbeiter für einen Hungerlohn am Band steht, kann dahinter kein sinnvolles Geschäftsmodell stehen.
Yamaha produziert zwar keine Stichsägen, dafür seit etlichen Jahrzehnten neben Musikinstrumenten und Audiotechnik auch Motorräder. Vor 50 Jahren präsentierte sich die Marke mit den gekreuzten Stimmgabeln zum ersten Mal auf einer deutschen Motorradmesse. Fortan verkörperten Yamaha-Motorräder genau das, was seit jeher ein japanisches Produkt auszeichnet: ansprechende Qualität und ausgetüftelte Funktionalität ohne preisliche Spaßbremse. Oder wie es der legendäre Sony-Boss Morita so schön auf den Punkt brachte: Wer die Wünsche des Kunden am besten erfüllt, der macht das Geschäft.
Ein guter Preis ist ein Kundenwunsch, ein Produkt, das Begehrlichkeiten weckt, ein anderer. Beides versucht Yamaha in diesem Frühjahr unter einen Hut zu bringen. Mit der dreizylindrigen MT-09 ist das zum Einstieg bereits mehr als überzeugend gelungen. Jetzt legen die Yamaha-Leute mit der MT-07 eine Stufe darunter nochmals nach. Ab 5500 Euro ist dieses komplett neue Mittelklasse-Motorrad ab so­fort zu haben. In den Eckdaten vergleichbare Modelle der arrivierten Mitbewerber sind mindestens 1000 Euro teurer. Allenfalls die neue Honda NC 750 S taucht da für alle Preisschildvergleicher noch auf. Aber die hat 20 PS weniger und wiegt gute 20 Kilogramm mehr.
Wie auch immer. Über die Aufwertung der preislich höchst interessanten Bier- und Brauseklasse mit gut gemachten Motorrädern freue ich mich. Zu D-Mark-Zeiten war der letzte Knaller in dieser Kategorie die Suzuki SV 650. Die kostete damals runde 12000 Mark. Heute liegt man entsprechend zwischen  6000 und 7000 Euro, woran man die moderate Preisentwicklung im Motorradbau innerhalb der letzten 15 Jahre gut ablesen kann. Und selber machen könnte man ein Motorrad dieses Kalibers für das Geld ohnehin nicht. So gesehen sind Motor­räder letztlich richtig günstige Konsumgüter. Und wenn sie richtig glücklich machen, sind sie ohnehin unbezahlbar.
Den ersten Fahrtest der neuen Yamaha MT-07 finden Sie ab Seite 40.

Informatives Vergnügen mit der MO-Märzausgabe wünscht

Jo Soppa,
Chefredakteur 

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2014-01 Leitartikel

Leitartikel

Jo Soppa - Chefredakteur MO

Jo Soppa

Klimarocker

Rocker, Raser, Schläger. Das alte Rollenklischee wird gelegentlich noch in betagten Fernsehfilmen bedient. Dann freut man sich als Zuschauer an schmalen Milchbubis in Schlaghosen und zu eng geschnittenen Lederjacken. Süße Nostalgie. Heutzutage hat sich nicht nur bekleidungstechnisch viel getan. Rocker fahren kaum noch Motorrad. Lieber zeigen sie sich wie Geschäftsleute mit Promi-Anwalt und lassen sich fürs Fernsehen beim breitkreuzigen Einsteigen in tiefer gelegte S-Klassen filmen.
Motorradfahrer lösen mittlerweile ganz andere Feindbilder aus. Bemerkenswert dabei: Viele von unserer Sorte haben dieses Feindbild bereits schuldbewusst verinnerlicht. Das neue Feindbild heißt „Klimarocker“. Mit jeder hedonistisch gedrehten Spaßrunde wird wieder ein Sack voll Kohlendioxid in die kränkelnde Atmosphäre geblasen. Die weitgehend einige Klimawissenschaft sagt, langwelliges Sonnenlicht werde durch die CO2-Moleküle wieder auf die Erde zurück reflektiert, wodurch die globale Temperatur peu à peu nach oben klettere. Die Polkappen schmelzen, in der Folge drohen unabsehbare Umweltkatastrophen. An der Flut auf den Philippinen sind gewissermaßen auch Sie und ich schuld.
So ganz pressant scheint die Sache jedoch nicht zu sein. Das wesentliche Ergebnis des Warschauer Klimagipfels vom November 2013 war die Festlegung des nächsten Termins. Der soll 2015 in Paris stattfinden, wieder mit rund 10000 Teilnehmern. Klimagipfel-Tourismus für alle Beteiligten auf Kosten der Steuerzahler. Trotz dieser Ungereimtheiten zwischen Bedrohungsszenario und effektivem Handeln ist der vom Menschen gemachte Klimawandel speziell hierzulande gesellschaftlicher Konsens. Auch wenn die Industrienation Deutschland nicht einmal drei Prozent zum weltweiten Kohlendioxid-Ausstoß beiträgt.
Mit der ganzen Kohlendioxid-Nummer werde hauptsächlich Politik gegen die Bürger gemacht, sagen deshalb die Kritiker. Neue Verordnungen, neue Abgaben, Einflussnahme auf sich wirtschaftlich rasant entwickelnde Länder wie Indien und China. Die mit Drohpotenzial geschwungene Kohlendioxid-Nummer zieht Jünger an wie weiland das Heilsversprechen der Kirche auf Leben nach dem Tod. Nicht von ungefähr ist ausgerechnet Amerika treibende Kraft im ganzen Spiel. Als braver Bürger steht man ratlos im Treibhaus. Befürworter und Kritiker der Kohlendioxid-These werfen sich gegenseitig Lobbyismus vor. Dort die bösen Hintertreiber aus der Öl verarbeitenden Industrie, hier die verordnungsgebärende Allianz aus Öko-Politikern und Unternehmern für Umwelttechnik.
Weil Pfeifen im Walde gemeinhin Angstzustände mildern hilft und Provokationen meine Spezialität sind, lassen wir einmal die Klima-Kritiker mit ihren zehn gängigsten Argumenten zu Wort kommen.
1) Es gibt kein globales Klima, sondern nur lokales. Wie also wollen Experten, die nicht einmal verlässlich das lokale Wetter für eine Woche vorhersagen können, ausgerechnet das ganze Erdklima auf Jahre hin vorausberechnen können?
2.) Ja, es gibt den Klimawandel. Aber den gibt es schon immer. Um das Jahr 1100 wurde in Norwegen Wein angebaut, während des Dreißigjährigen Krieges dauerten die Winter in Deutschland oft bis Juni.
3.) Kohlendioxid ist schwerer als Luft und nur in einem verschwindenden Promille-Maß in der Atmosphäre anzutreffen. Der CO2-Gehalt hat sich seit vorchristlicher Zeit nicht einmal um 50 Prozent erhöht. Angeblich bewirkt erst eine Verdoppelung des Anteils einen Temperaturanstieg um ein Grad Celsius.
4.) Aufnahmen von Satelliten aus haben gezeigt, dass die Atmosphäre für das gesamte Strahlungsspektrum vollkommen durchlässig ist. Die Kohlendioxid-Reflexionstheorie ist also Humbug.
5.) Unwetter waren früher noch viel heftiger als heute. Das beweisen die alten Hochwassermarken. Das eigentliche Problem ist die wachsende Bevölkerungszahl samt Besiedelung problematischer Regionen, die früher unbewohnt waren.
6.) Jedes Kind weiß: Die Sonne erwärmt die Erde. Scheint die Sonne nicht mehr, wird es auch im Treibhaus schnell kalt. Ohne Treibhauseffekt und Kohlendioxid gäbe es überhaupt kein menschliches Leben auf der Erde.
7.) Seit 15 Jahren bleibt die globale Durchschnittstemperatur tendenziell konstant. Die Berechnungsmodelle der Klimaforscher sind falsch.
8.) Vor 30 Jahren haben die Experten das baldige Waldsterben vorausgesagt. Ein Klimaforscher, der keine Katastrophe prophezeit, ist überflüssig.
9.) Die globale Erwärmung wird in erster Linie durch die Sonneneinstrahlung bestimmt. Deren Intensität ist aufgrund vieler Faktoren schwankend.
10.) Regulierung des Kohlendioxidausstoßes ist blanke Vermessenheit. Der Mensch glaubt, das Wetter machen zu können.
Wahrscheinlich geht es Ihnen jetzt wie mir: Man weiß nicht mehr, was und wem man glauben soll. Immerhin: Wenn die Klimakatastrophe über uns alle hereinbricht, kann die globale Klimalage rasch beeinflusst werden: In die Atmosphäre gefeuerte Partikelschleier mindern die Sonneneinstrahlung partiell und damit die Großwetterlage. Dann kann’s aber schnell zu kalt werden. Eine Konstante bleibt also: Das Leben ist weiterhin gefährlich.

Freuen Sie sich also zwanglos an und mit Ihrem Motorrad. Und während ich gerade den ersten Schneeflocken durchs Fenster beim Kampf mit der Schwerkraft zusehe, rufe ich Ihnen mit einem Schulterzucken zu: Das Wetter kommt, wie’s kommt. Meistens jedenfalls.

Jo Soppa,
Chefredakteur 

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2014-02 Leitartikel

Leitartikel

Jo Soppa - Chefredakteur MO

Jo Soppa

Die Besten

Zugegeben, es ist ziemlich vermessen, die besten 100 Motorräder aller Zeiten küren zu wollen. Wir haben es in dieser Ausgabe dennoch getan. Und das nicht zum ersten Mal. Bereits vor einigen Jahren gaben wir der Lust nach, eine Rangliste der „All time Favoriten“ aufs Papier zu bringen.
Auf Grundlage der ersten Liste entstand nach langen Diskussionen und Abwägungen die aktuelle Version. Geblieben ist es bei unserer Nummer 1. Richtig geraten, es ist die Honda CB 750. Sie brachte ab Ende der sechziger Jahre die Fas­zination Motorrad weltweit zum vehementen, nachhaltigen Auflodern. Und sie ist noch heute eine bildschöne Vertreterin ihrer Zunft.
Kniffeliger wurden die Diskussionen, als es tief in die Historie hineinging und das leidige Thema „Erstes Motorrad“ zur Debatte stand. MO-Chefhistoriker Frank-Albert Illg stellte völlig zurecht fest, dass der Reitwagen aus Gottlieb Dai­mlers Cannstatter Gartenwerkstatt kein Motorrad, sondern eben der Reitwagen ist. Damals nichts weiter als ein Erprobungsgestell für den neu entwickelten Benzinmotor. Dennoch sind die konstruktiven Ähnlichkeiten bis hin zu modernsten Superbikes verblüffend. Reitwagen hin, Holzgestell her, diese geniale Arbeit war auch für die Motorradentwicklung maßgebend. Vielleicht macht der Daimler-Konzern ja doch noch etwas aus seiner motorrädrigen Keimzelle. Immerhin scheiterte der anvisierte Motorradeinstieg der Schwaben nur knapp am Ausbrems­manöver durch Audi. Be­kanntlich stand Ducati auch auf der Einkaufsliste der Marke mit dem Stern.
Vom Reitwagen zur Zukunft. Unsere Top 100 enden mit einem Elektromotorrad, nämlich der Brammo Empulse. Heimlich still und leise hat die Elektromobilität auf zwei Rädern – im Gegensatz zum Automobilbau – schon längst ihren weltweiten Siegeszug angetreten. Millionen E-Fahrräder sind bereits auf den Straßen und nutzen so die aufgrund der bekannten Limitierung durch den Stand der Akkutechnik gegebenen Möglichkeiten bestmöglich. Mit fortschreitender Entwicklung der Stromspeicher wird die Reichweite wachsen. Im nächsten Schritt könnte das im Motorrad­bereich zu größeren Umwälzungen führen. Wenn problemlose 200 Kilometer Reichweite bei adäquaten Fahrleistungen im Akku drin sind, und obendrein der Preis stimmt, dürfte die Akzeptanz für so einen „Silent Runner“ auf breiter Linie zu­nehmen. Nebenher kann man ja mit seinem Knallhuber immer noch ein wenig Sprit mit Genuss abfackeln. Gewissermaßen wie alter Wein auf Rädern.
Lassen Sie also unsere Hitliste ab Seite 56 auf sich wirken. Sie ­bietet nicht nur jede Menge Gesprächsstoff, sondern auch einen wunderbaren Überblick auf die gesamte Motorradentwicklung. Das Schöne daran: So viel hat sich über die Jahrzehnte gar nicht geändert. Der Motorrad-Geist weht schon seit über 100 Jahren über die Lande, und eine gute Prise davon finden Sie in auch wieder in dieser MO-Ausgabe.

Mit herzlichem Gruß

Jo Soppa,
Chefredakteur 

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2013-12 Leitartikel

Leitartikel

Jo Soppa - Chefredakteur MO

Jo Soppa

Volle Hütte

Der Boden bebt, zu­mindest in den Messehallen. Was sich auf der großen Herbstschau in Mailand ankündigte, lässt zumindest aus Motorradsicht auf ein höchst unterhaltsames Jahr 2014 hoffen. Ganz wichtig: Japan meldet sich auf breiter Linie zurück. Abgeschüttelt scheint die Schockstarre, die 2011 das ganze Land nach der Katastrophe vom Fukushima gelähmt hat. Wobei dieses Unglück unermess­lichen Ausmaßes zwar vorbei, aber noch lange nicht überwunden ist.
 So nichtig angesichts derartiger Bedrohungen der Tanz um die aus den Motorradwerken trabenden Neuheitenkälber auch erscheinen mag, so wichtig sind die antreibenden Rhythmen des Alltagslebens auf der Suche nach neuer, wenn auch geänderter Normalität. Wir dürfen an dieser Stelle allen Modell-Offensiven aus den Häusern Honda, Yamaha, Kawasaki und Suzuki vorbehaltlos applaudieren. Was da im Einzelnen auf die gespannte Motorradszene zukommt, erfahren Sie in der Neuheitenschau ab Seite 6.
 Die vielleicht bemerkens­werteste Neuheit jedoch kommt aus Amerika, genauer gesagt aus Indien. Dort nämlich lässt Harley-­Davidson sein komplett neu entwickeltes, wassergekühltes Budget-Modell mit 500 und 750 ccm großen V-Twins produzieren. Zu allererst geschieht das für jene Märkte, die wir hier etwas despektierlich unter der Überzeile „Schwellenländer“ handeln. Tatsächlich geht im südost-asiatischen Raum nicht nur motorrad­mäßig derart die Post ab, dass der Begriff „Dritte Welt-Land“ heute mehr auf große Teile von Nord­amerika, als für diese von jungen, umtriebigen und tüchtigen Menschen dominierten Regionen zutreffen mag.
 Auch aus bundesdeutscher Sicht verliert man da mitunter leicht den Maßstab. Zwar ist der hiesige Motorradmarkt mit seinen insgesamt rund 100000 Einheiten per anno immer noch eine wichtige Landmarke im euro­päischen Geschäft, aber man sollte sich zugleich auch klar machen, dass dieses Volumen ein einziger Hersteller locker bedienen könnte.
Entsprechend deutlich werden die Verteilungskämpfe zutage treten, die bei der Vielzahl an Anbietern und vor allem Modellen hierzulande in den kommenden Monaten an­stehen. Der Handel darf sich auf ein heißes Frühjahr freuen.
 Bei gut vier Millionen Motorradfahrern in Deutschland spielt die große Musik freilich im Bestand. Das spiegelt sich auch in dieser MO-Ausgabe wider. Neben den Neuheiten aus Japan und der restlichen Welt zeigen wir in dieser Dezember-Ausgabe auch ganz private japanische Spezialitäten. Aufgebaut wurden diese Motorräder auf günstigen Ge­brauchtmodellen, was sie im End­ergebnis nicht minder attraktiv macht, als manchen neuesten Wetzhobel von der Stange. Aber sehen Sie selbst, ab Seite 18 eröffnen wir die große Schau der „Japan-Specials“.
Das alles ist guter, von Hand ge­machter Stoff, der ebenso zum händischen Fahren ohne Netz und doppelten Boden einlädt. Denn auf der anderen Seite der Straße, in den Auslagen der Motorrad-Händler­schaft, warten heute zunehmend mit elektronischen Hilfssystemen ausgestattete Produkte auf die Kundschaft. Das alles macht das Fahrerlebnis zwar nicht schlechter, sondern aus dem Blickwinkel des Technikers vor allem eines: sicherer. Emotional geht dem einen oder anderen möglicherweise im alten Mensch-Maschine-Spiel ein Stück weit das direkt ans Geschehen angekoppelte Gefühl verloren. Und wer sich den Weg der digitalen Möglichkeiten bis ans Ende vorstellt, der landet zwangsläufig nach dem vollautomatisch selbst fahrenden Vehikel beim rein virtuellen Erlebnis in einer neuen Cyber-Parallel­welt. Die einzige Gefahr, die dann droht, ist ein Stromschlag aus dem überlasteten Computer.
Wenn ich Sie jetzt mit meiner Zukunftsvorschau ein wenig betrübt haben sollte, dann will ich Ihnen noch eine andere Neuheit für 2014 verraten: Brough Superior ist zurück. Jene legendäre englische Marke, die in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg als „Rolls Royce der Motor-räder“ galt, präsentierte sich in Mailand so klassisch, wie man sich nur klassisch präsentieren kann. Und wenn diese Perle nicht so ganz zu Ihrem Geldbeutel passt, dann habe ich noch eine frohe Botschaft: ­Yamaha bringt die SR wieder. Mit Einspritzung und 400 ccm Hubraum. Die Zukunft braucht eben doch immer ihre Vergangenheit.

Beste Unterhaltung mit einer 
gut angewärmten MO-Ausgabe

im kalten Dezember wünscht




Jo Soppa

Chefredakteur

Jo Soppa (Chefredakteur)
 

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