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Danke TankeDass wir in einer Informationsgesellschaft leben, merkt man am ehesten an Abenden wie diesem. Aus dem Yamaha-Verstärker röhrt Götz Widmann sein "Danke Tanke". Die psychoakustisch komprimierten Töne purzeln über USB aus einem Player, in den man für unterwegs auch einen Kopfhörer stecken kann. Über meine fette, Traffic-optimierte Standleitung rauschen Infos aus der MO-Redaktion und von Newsquellen von um den Globus über meinen Schirm. Ich drücke hier mein Tastenbrett, und Sie können über Deutschlands Glasfaserrückgrat am anderen Ende der Republik sofort lesen, was ich gerade denke. Wunder der Datentechnik: Sofort all die Informationen haben, die man weder will noch braucht. Beispiel Mitteilung aus dem Verkehrsministerium: "Wir brauchen mehr Kontrollen, mehr Videofahrzeuge, mehr Strafen, mehr Gesetze, mehr Gewehre, äh: Laserpistolen!" Es gab mal eine Zeit, da galt Freiheit als eines der kostbarsten Dinge überhaupt. Menschen starben dafür und wurden "Helden" genannt. Wahrscheinlich gab es das Wort "Terrorist" noch gar nicht. Aktuell steht Sicherheit hoch im Kurs. Allerdings klingt das Konzept "Sterben für mehr Sicherheit" mehr nach einem Paradoxon denn nach Stoff für emotional erhebende Epen. Während ich so an meinem Balkon sinniere, dem Entstehungsort so vieler MO-Geschichten, piept das Mobiltelefon. Über die Funkkeule eines Transponders am Fernsehturm direkt gegenüber wird die Stimme von Tobias übertragen, der auf der anderen Seite des Hügels mit den sterbenslangweiligen Hausaufgaben hadert. Tobias macht gerade Fahrschule und sein Fahrlehrer ist das Gegenteil von meinem damals: Er fährt selbst Motorrad, weiß, wie das geht, hat Spaß dran und vermittelt den. Die Information aus dem Telefon steht der am Bildschirm diametral gegenüber: "...und dann haben wir zwei Gänge runtergeschaltet, dass das Hinterrad gestempelt hat, haben auf die Rasten umgelegt und mit Vollgas aus der Kurve beschleunigt. Auf der Geraden warens *piiep* kaemmha, bevor wir wieder bremsen mussten! Der Wind, ey! Es war soo geil!" Ich lasse einfach die rohe, jugendliche Begeisterung in meinen Infotopf im Kopf laufen. Fahren ohne Hemmungen, ohne Sinn (denn den gibt sich das Fahren selbst), ohne Verstand (denn der bremst nur)... Und weil wir nicht nur in einer Informations-, sondern auch in einer Konsumgesellschaft leben, vertrete ich heute abend die kapitalistische Auffassung, dass man Freiheit vielleicht doch kaufen kann, zumindest ein kleines Stück davon. Man fährt einfach zu jeder noch so unchristlichen Uhrzeit an der Tanke vor, füllt das Fass des Krads auf und macht sich dann per Gasgriff ein paar Stunden lang frei von allem. Frei von Gesetzen, frei von Zwängen, frei von Schuld, und frei von jeglicher sonstiger überflüssiger Information. Nur der Motor unter einem, befeuert von käuflicher, geborgter Freiheit. "Und dafür sag ich meiner Tanke mal einfach Danke: Danke, meine liebe Tanke!"
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